Delikatesse oder tödlich?

Jetzt beginnt sie wieder, die Pilz-Saison. Wenn sich die Scheißer bloß nicht so verstecken würden,...

Es ist schon ein sonderbares Jahr, solche Sommer kennt man normalerweise aus Spanien oder Italien. Es war einfach über Wochen hinweg schön und unglaublich warm. Was für ein grandioser Sommer! Kaum zu glauben, dass das es sowas bei uns geben kann. Bis dato war bei mir das Jahr folgendermaßen gegliedert: Jänner, Februar, Herbst und Winter. Da nahm man das Sonnenöl höchstens dafür her, dass der Regen besser abperlt,...

 

Dennoch finde ich das Haar in der Suppe. Kein Regen bedeutet keine Pilze. In einem normalen Sommer scharre ich schon im Juni deswegen mit dem Huf. Jeder anständige Vorarlberger hat seine streng geheimen Ecken wo er seinen Gusto auf frische, heimische Pilze befriedigen kann. Es ist natürlich bei Strafe verboten diese geheimen Plätze zu verraten. Da tun sich menschliche Abgründe auf. Meine eigene Frau hat in einem Alpgebiet im Bregenzerwald ein Gebiet für sich entdeckt, in dem sie scheinbar mühelos kiloweise Pfifferlinge (Eierschwammerln) ernten kann. Würde sie es mir verraten? Nicht um die Burg! Nicht dass ich es schamlos ausnutzen würde, so wie sie es gelegentlich um der Ausrede Willen an den Haaren herbei zieht. Aber vorbeischauen würde ich schon das eine oder andere mal. Das perfide ist ja, dass wir in der Regel gemeinsam ein Gebiet unsicher machen und plötzlich ist sie weg, spurlos verschwunden und ich hirsche alleine durchs Unterholz. 

 

Eine Stunde später trifft man sie "zufällig" wieder und sie hat natürlich ihren Rucksack voll. Nicht, dass es meinem Ego schaden würde, aber wir sind verheiratet! Wir teilen alles, ausser diese paar Quadratmeter Wald und das finde ich sehr schade.

 

Als altgedienter Geocacher habe ich ihr meinen GPS-Empfänger, natürlich auf Trackaufzeichnung gestellt, in ihren Rucksack gesteckt. Männer - versucht nicht eure Frau zu bescheissen, sie wird euch auf die Schliche kommen. Auf diesem Gebiet haben sie einen siebten Sinn,... Ich muss meine Schmach nicht weiter ausführen, oder? Es ist heute noch ein Schenkelklopfer auf meine Kosten. So versuche ich unter Freunden das Thema "geheime Pilzecken" elegant zu umschiffen.

 

Vorgestern war wieder so ein Pilz-Tag, ich durchpflügte einen bis dato unbekannten Streifen Natur und ich kann stolz vermelden: veni, vidi, violini - ich kam, sah und vergeigte!

 

Also versteht mich nicht falsch, der Vormittag war genial! Ein Almabtrieb, zutrauliche Wildenten (!), neugierige Kälber die schon fast Stalkerqualitäten haben aber es zeigt sich nicht ein halbwegs vernünftiger Speisepilz.

 

Nach drei Stunden endlich die Erlösung, da steht eine ganze Familie Parasol mitten im Feld. Was für ein Glücksfall. Bei den Parasol ist es so eine Sache - in der juvinilen Phase ihrer Entwicklung sehen sie dem Knollenblätterpilz sehr ähnlich und werden dementsprechend mit Respekt behandelt, denn der Knollenblätterpilz ist tödlich. 

 

Freunde lehnen immer dankend ab wenn ich sie zum Pilzragout einlade und wenn es sie zufällig an meinen Tisch spült, warten sie wie gebannt was mit dem Chaoten passiert -> nachdem er seinen Parasol gegessen hat. Die hochgiftigen Amatoxine würden jedoch erst nach etwa 8 Stunden ihre Wirkung entfalten. Mit fatalem Ende. Deswegen nimmt man diesen Pilz nur mit, wenn man sich zu 100 Prozent sicher ist. Für jemanden der keine Ahnung hat ist der panierte Champignon wohl die bessere Wahl.

 

Doch bei diesen Parasol ist der Fall klar, es gibt heute Abend Paniertes!

 

Die Zubereitung ist denkbar einfach. Der Hut wird vom Stiel getrennt und wie ein Schnitzel paniert und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Dazu gibt´s eine Sauce Tartare, mehr braucht es nicht.

 

Es bleibt zum Schluss kein Krümel übrig, alles aufgegessen!

 

Der Stiel wir natürlich nicht weggeworfen sondern gemeinsam mit einem getrockneten Habichtspilz zu einem feinen Pulver vermahlen. Ein grandioses Pilzgewürz!

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Kommentare: 3
  • #1

    gotle (Mittwoch, 30 September 2015 06:55)

    Lieber Johannes, endlich wieder a Gschichtle von dir, das freut mich sehr. Das Geheimnis mit den Pilzplätzen kommt mir ja so bekannt vor. Mein Argument hierfür wäre ja auch, wir sind doch eine Familie, leider nicht wenns um Pilze geht. Ich hör blos immer von euren tollen Erfolgen u.das Wasser läuft mir im Mund zusammen. Na ja, jetzt bleibt mir wenigstens das Vergnügen vom Kochchaoten zu lesen. Bitte bald wieder, also mach weiter so.

  • #2

    Silvia (Mittwoch, 30 September 2015 08:19)

    Hallo Johannes!

    Über deine großartige Vielseitigkeit und deine Kochkünste kann ich nur noch staunen! Ich selbst muß leider bei den von dir erwähnten Champignons bleiben!
    Aber dennoch; Jede Frau MUSS ein Geheimnis haben!!!
    Liebe Grüße
    Silvia

  • #3

    Der Chaot (Mittwoch, 30 September 2015 18:08)

    Danke euch beiden! Freut mich sehr - heute stolperte ich noch zufällig über ein paar Schopftintlinge :-)